Die Wohnstadt Gravenbruch 1960
Historischer Film der Film- und Videofreunde Neu-Isenburg
5. Dezember 1960 – als alles begann….
Zeitzeugen – Gespräche - Erinnerungen
Petra Ost (lebt seit 1988 in Gravenbruch)
Sie sagt: “Integration ist keine Einbahnstaße”
Das umfangreiche soziale Engagement von Petra Ost begann mit einem Eine-Welt-
Stand in der katholischen Gemeindebücherei: “Mein Mann und ich hatten
beschlossen, uns im Stadtteil einzubringen,” erinnert sich Petra Ost.
Nicht zuletzt als Reaktion auf ein vieldiskutiertes Buch von Thilo Sarrazin gründete sie
im Jahr 2010 zusammen mit einer Freundin den Nachbarschaftsverein “Mein
Gravenbruch: miteinander leben -einander verstehen”. Sie halfen bei der Betreuung
der Flüchtlingsunterkunft Meisenstraße, sie organisierten Deutschkurse für
Erwachsene und Lernhilfe für Schulkinder. Sie freut sich, dass “die Geflüchteten, die
von uns betreut wurden, heute alle integriert sind und Arbeit haben”.
MARTINA SCHRICKER (lebt seit 1986 in Gravenbruch)
An der Kasse und in der Kirche
Als Supermarkt-Kassiererin im Plus, bzw. später im Netto-Markt über viele Jahre
hinweg, ist Martina Schricker bekannt und beliebt im Stadtteil. “Als alleinerziehende
Mutter zweier Kinder musste ich einfach Geld verdienen,” berichtet sie.
Seit 1990 ist sie ehrenamtlich in der Katholischen Gemeinde aktiv: vom damaligen
Pfarrer Bachus herzlich aufgenommen, erfuhr sie in der Gemeinde vielfältige
Unterstützung. Sie engagierte sich im Pfarrgemeinderat und ist zur Zeit dessen
stellvertretende Vorsitzende. Sie besitzt eine Gesangsausbildung, singt im Chor und
ist die Kantorin der Gemeinde.
HOLGER MINGRAM (war 29 Jahre Pfarrer in Gravenbruch
seit 1982 lebt er im Stadtteil - Der Seelsorger mit Gitarre
Ob im Konfirmationsunterricht, im Kindergarten, beim Seniorennachmittag, oder im
Gottesdienst: Die Gitarre war fast immer mit von der Partie. Besonders gerne
erinnert sich Pfarrer Holger Mingram an die Auftritte mit seiner ehemaligen
Schülerband bei den Gemeindefesten: “Das war sensationell.” Holger Mingram
gerät ins Schwärmen, wenn er an diese Feste zurückdenkt, die oft ganz besondere
Attaktionen bereithielten: von einer Hubschrauber-Landung auf dem
Dreiherrnsteinplatz bis zum Feuerwehrauto, von einer Pferdekutsche,die Kinder
durch den Stadtteil fuhr bis zum Karussell oder einem Auftritt der legendären
Jakob-Sisters. Die Jakob-Sisters sangen nicht nur, sie holten auch den Pfarrer auf
die Bühne und brachten ihn zum Tanzen.
RENATE KILIAN (wohnt seit Januar 1963 in Gravenbruch)
Das ehemaliges Ladenzentrum und die Gemeindebücherei waren ihre
Lieblingsorte.
Sie mochte in den Anfangsjahren besonders die Evangelische
Gemeindebücherei (“Die Bücherei war immer voller Kinder, das war ein absolu-
ter Renner.”) und das ehemalige Ladenzentrum. “Hier gab es ein Kaiser´s
Kaffeegeschaft und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben einen
Supermarkt betreten.”
“Schon die erste Besichtigung der neuen Wohnung in Gravenbruch war aufwän-
dig: Aus Göttingen kommend, fuhren wir über Frankfurt mit dem Bus bis zur
Neu-Isenburger Straßenbahnhaltestelle und sind dann nach Gravenbruch
gelaufen.”
ZEITZEUGENGESPRÄCHE
INGEBORG TRIMPERT (wohnt seit August 1963 in Gravenbruch)
Ein Leben mit Musik und Pferden
Schon bald nach ihrem Einzug in Gravenbruch schloss sie sich einem neu ge-
gründeten Instumentalkreis in der Evangelischen Kirchengemeinde an und
lernte dort viele Menschen kennen. Die studierte Musiklehrerin engagierte sich
ehrenamtlich und baute zwei Kinderchöre und einen Jugendchor auf. Die
Gottesdienste fanden zu Anfang in einer Wohnung im Schönbornring 3 statt.
“Etwas später konnte man die Schulturnhalle nutzen, solange die Kirche noch
im Bau war”, berichtet Ingeborg Trimpert.
“Ich hatte von klein auf immer mit Pferden zu tun”, erzählte sie und so führte sie
auch in Gravenbruch einer ihrer ersten Wege in den Reitstall. “Später war ich
viele Jahre lang Vorsitzende des Reitervereins Gravenbruch.”
TORSTEN SEMSROTH (lebt seit August 1963 in Gravenbruch)
Aufgewachsen in der kinderreichsten Stadt Deutschlands und heute Sportwart
beim Tennisclub Foresta Gravenbruch.
“Ich habe meine Kindheit in Gravenbruch sehr genossen”, berichtet Torsten
Semsroth. Ganz besonders hatte es ihm das Strandbad am Forsthaus
Gravenbruch angetan. Im Winter war der Badesee manchmal zugefroren und
wurde von den Kindern zum Schlittschuhlaufen genutzt.
Semsroth ist heute Sportwart beim Tennisclub Foresta, der 1962 als
Gesellschaftsclub gegründet wurde. Aber schon von März 1963 an hatte der
Verein 2 Tennisplätze zu bieten und entwickelte sich nach und nach zu einem
reinen Tennisclub. “Der Verein ist dafür bekannt, dass es immer eine große
Eigenbeteiligung der Mitglieder gab”, sagt Semsroth und erwähnt in diesem
Zusammenhang den selbstgebauten Brunnen und die eigenständig angelegte
Boule-Bahn.
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