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Graf Johann Philipp zu Ysenburg und Büdingen – ein Lebensbild

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Foto: Alexander Jungmann

Anlässlich des 300. Todestages des Neu-Isenburger Stadtgründers Graf Johann Philipp zu Ysenburg und Büdingen am 21. September 2018 und der Eröffnung der Sonderausstellung im Stadtmuseum „Haus zum Löwen“ hielt Dr. Klaus-Peter Decker aus Büdingen einen bedeutenden Vortrag im Plenarsaal des Neu-Isenburger Rathauses.

Den Vortrag von Dr. Klaus-Peter Decker finden Sie in der PDF-Datei

Isenburg und Ysenburg – Fahrradtour des GHK und des ADFC Neu-Isenburg

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Am 15. Juli 2018, an einem wunderschönen Sonntagvormittag, startete eine Gruppe von ca. 30 historisch interessierten Radlern zu einer Erkundungsfahrt in die I(Y)senburger Geschichte. Vom GHK und dem ADFC Neu-Isenburg organisiert, führte der Dreieicher Heimatkundige Wilhelm Ott auf der Tour die Teilnehmer durch die Territorialgeschichte des östlichen Dreieichgebietes.

Um1800 gab es einen Flickenteppich unterschiedlicher Herrschaftsgebiete um Neu-Isenburg, das wie Offenbach und Sprendlingen zum Fürstentum Isenburg-Birstein gehörte. Im Norden lag die Freie Reichsstadt Frankfurt, der Gravenbruchwald und Heusenstamm wurden von den Grafen von Schönborn regiert, der Deutschherrenwald (Wildhof) war im Besitz des Deutschen Ordens, Commende Frankfurt. Dietzenbach (ebenso wie Langen und Egelsbach) gehörte zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Im Süden residierten die Grafen von Isenburg-Philippseich, für die u.a. Götzenhain und Urberach tributpflichtig waren. Darüber hinaus gab es die Biebermark und die Rödermark, Waldgenossenschaften, die sich im gemeinsamen Besitz der in dem Gebiet liegenden Gemeinden befanden.

Zunächst ging es am Gravenbruchring der Ysenburgisch-Frankfurter Grenze entlang zum Dreiherrensteinplatz in der Wohnstadt Gravenbruch. Vor der Polizeistation stehen drei Grenzsteine verdeckt in einem Pflanzbeet. Einer davon ist der Namensgeber des Platzes: der Dreiherrenstein. Er stand an dem Berührungspunkt von drei reichsunmittelbaren Herrschaftsgebieten: dem Forst Offenbach der Grafschaft Ysenburg (Forst Dreieich), dem Deutschherrenwald der Commende Frankfurt (Wildhof) und dem Gravenbruchwald der Grafen von Schönborn. Konsequenterweise trägt der 1730 gesetzte Stein das Ysenburger Balkenwappen, das Deutschordenskreuz und den Schönborner Löwen. Am Originalstandplatz des Dreiherrensteins hatte Wilhelm Ott in Absprache mit dem Forst, der Stadt Neu-Isenburg und dem GHK eine Steinsäule mit einem QR-Code aufgestellt (nachdem ein Markierungspfahl aus Holz gestohlen worden war).

Wilhelm Ott erläuterte kursorisch die komplexe Geschichte der Besitzveränderungen in den verschiedenen Territorien, die zu den heutigen Gemarkungsgrenzen führten. Herbert Hunkel verwies in diesem Zusammenhang auf das vom Magistrat der Stadt Neu-Isenburg 2017 herausgegebene Buch von Wilhelm Ott „Grenzen und Grenzsteine der Neu-Isenburger Gemarkungen“, in dem diese Details ausführlich beschrieben werden und dessen Lektüre er eindringlich empfahl. 2018 publizierte Ott ein weiteres Buch: „Grenzen und Grenzsteine der Heusenstammer Gemarkung“.

Im weiteren Verlauf der Tour entlang der ehemaligen Ostgrenze des Gravenbruchwaldes passierte die Gruppe weitere schöne Grenzsteine mit dem Schönborner Wappen und dem Deutschordenskreuz. Ein Stein dieser Serie ist auch im Hof des Hauses zum Löwen zu bewundern. Ein mittelalterliches Sühnekreuz, das Gambrechtskreuz, konnte auf der linken Seite der Alten Babenhäuser Straße entdeckt werden. Am nächsten „Dreiherrenstein“ traf die Gruppe wieder auf ehemaliges Ysenburgisches Gebiet: den Forst Dreieich. Die beiden anderen Territorien an dem Berührungspunkt waren der Schönbornsche Gravenbruchwald und die Biebermark. Nach der Waldmarkteilung gehörte dieser Teil der ehemaligen Biebermark als Exklave „Hintermark“ zur Offenbacher Gemarkung, bis er durch einen Gebietstausch in die Heusenstammer Gemarkung eingegliedert wurde.

Der nächste Halt auf der Fahrradtour war wieder ein Berührungspunkt dreier Territorien: Ysenburg (Forst Dreieich), Biebermark (Offenbacher Hintermark) und Rödermark (Dietzenbach). An dieser Stelle verlief die Hanauer Landwehr, eine Verbindung der Ysenburger (bzw. Dreieicher) Ringlandwehr im Westen mit der Mainzer Landwehr im Osten entlang der ehemaligen Dietzenbacher West- und Nordgrenze. An der Kreuzung der alten Babenhäuser Straße mit dieser Verbindungslandwehr befand sich ein Durchlass, ein „Schlag“, an dem Wegzoll erhoben wurde. Der Heimat-und Geschichtsverein Heusenstamm und die Freunde Sprendlingens hatten dort kürzlich einen einst in der Nähe herausgelegenen Grenzstein der Grenze Ysenburg – Biebermark wieder aufgestellt.

Hier war hier Gelegenheit, den Unterschied zwischen Isenburg und Ysenburg zu erläutern: In den frühen lateinischen Dokumenten wurde der Name mit >I< geschrieben. In deutschen Dokumenten wurden beide Schreibweisen benutzt. „Ysenburg“ wurde im 16. Jh. die offizielle Bezeichnung des Grafenhauses. Sie blieb es auch nach den verschiedenen Erbteilungen. Als die Ysenburg-Birsteiner Linie 1744 in den Fürstenstand erhoben wurde, stand in der Ernennungsurkunde – wohl durch ein Versehen des Schreibers – „Fürst von Isenburg und Büdingen“. 1913 wurde bei der Birsteiner Linie das Suffix „von Büdingen“ weggelassen. Die Büdinger Linie nennt sich dagegen heute noch „von Ysenburg und Büdingen“

Entlang der Verbindungslandwehr, der Grenze zwischen der Rödermark und dem Ysenburger Forst, führte die Tour nach Südwesten. Auf eine Besteigung des Ebertsberges (193 m) wurde verzichtet, dafür gab es einen Empfang mit klarem Trinkwasser am Neu-Isenburger Wasserhochbehälter am Ebertsberg. Christoph Pfaff, der zuständige Abteilungsleiter der Stadtwerke Neu-Isenburg, ließ es sich nicht nehmen, die Radlergruppe persönlich von der Qualität des Neu-Isenburger Trinkwassers zu überzeugen. Er erläuterte außerdem die Funktion des Hochbehälters als Übergabestation des Fremdwassers aus dem Netz des Zweckverbandes Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO).

Über den Engelsborn, den Kirchborn und den Grünen Born radelte die Gruppe – unterbrochen durch eine vom ADFC rasch behobene Reifenpanne – weiter durch Götzenhain zum Schloss Philippseich, dessen Gelände normalerweise öffentlich nicht zugänglich ist. Auf vorherige Anfrage war der Hausherr, Markus Theobald, bereit, die GHK-Gruppe durch das Anwesen zu führen. Er berichtete, dass die Anlage um 1675 von Johann Ludwig von Ysenburg-Birstein, dem Vater des Neu-Isenburger Stadtgründers Johann Philipp, als Tiergarten mit einem Jagdschloss errichtet worden war. Johann Philipp baute diesen Tiergarten zu einem kleinen Dorf aus, errichtete die Kirche und mehrere Wirtschaftsgebäude. Nach ihm wurde das Anwesen benannt. 1711 wurde Philippseich die Residenz der Gräflichen Nebenlinie Ysenburg-Philippseich. Der erste dieser Grafen war ein Neffe von Johann Philipp. Von dem hölzernen Jagdschloss ist nur noch das Kellergewölbe vorhanden, das im Krieg als Luftschutzkeller ausgebaut wurde. Um 1800 wurde ein neuer Schlossbau mit Mansardendach errichtet. Der letzte Graf der Ysenburger Nebenlinie verstarb kinderlos im Jahr 1920; das Anwesen fiel an die Linie Isenburg-Birstein zurück. Nach einer Periode langsamen Verfalls wurde es 1941 von dem Bauunternehmer Kögel gekauft und mit großem Aufwand restauriert. Heute beherbergt Philippseich eine Reihe von Mietwohnungen mit einem sehr speziellen Charakter, einen land- und forstwirtschaftlicher Betrieb sowie eine Reitschule mit Ställen und Reithalle. Die GHK – Radler waren von der wunderschönen Parkanlage mit alten Bäumen, Brunnen, Statuen, geschmackvoll renovierten Gebäuden und der kleinen Kirche sehr beeindruckt.

Den Abschluss der Tour bildete der Besuch des Hofguts Neuhof, das um 1500 zusammen mit dem Dörrhof (Dornhof) von den Ysenburger Grafen gegründet wurde. Wilhelm Ott merkte an, dass das Anwesen er in dieser Zeit auch „Sprendlinger Hof“ genannt wurde, was Herbert Hunkel veranlasste, darauf hinzuweisen, dass der Neuhof schon immer die Neu-Isenburger Telefonvorwahl besitzt. Der Neuhof wurde im Dreißigjährigen Krieg weitgehend zerstört. Erst um 1700 legte Johann Philipp den Neuhof als Musterdomäne erneut an. Das Anwesen hatte eine lange Geschichte mit Höhen und Tiefen, bis es dann 1936 von der Familie Schumacher erworben wurde. Heute ist das Hofgut mit dem Restaurantbetrieb, der Pferdehaltung und dem Golfplatz wirtschaftlich offensichtlich solide aufgestellt.

Herbert Hunkel dankte im Namen der Gruppe Wilhelm Ott für die vielen interessanten Details seiner Ausführungen. Leicht überschwänglich sprach er später von der Fahrt als einer „Sternstunde in Heimatkunde“. Auf dem neuen Fahrradweg entlang der Neuhöfer Straße radelte die Gruppe wieder nach Neu-Isenburg zurück.

Berichterstatter: Wilhelm Ott

Bilder: Hans-Walter Schewe