Oskar’s Café

Ei, gude wie...

…so begrüßen sich die meisten Isenburger bei einer Begegnung. Auch Oskar benutzt diese drei Wörter um sich bei Ihnen vorzustellen.

Von ihm erfahren Sie hier heiteres, besinnliches, aktuelles und älteres, das wert ist aufgeschrieben zu werden. Bestimmt auch Neu-Isenburger Geschichten, die in keiner Zeitung stehen, aber vielleicht Ihr Interesse finden. Dass manche Geschichte auch im „Isenborjer Dialekt“ erscheint, liegt am Thema. Denn so frisch und frei „von de Lewwer (Leber) babbele“ gehört zum „guten Ton“ beim Geschichtsverein.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Schmökern in Oskar’s Anekdoten:

Im Wartezimmer (1)

vom 21. Februar 2015

Bei einem Arztbesuch sitze ich im Wartezimmer und warte auf den Aufruf.
Als ich mich im gut besetzten Raum umschaue fällt mein Blick auf einen „Water-Tower“. Her können Patienten ihren Durst löschen. Aber der „Wasser-Tower“ regt meine Phantasie an und ich denke einige Jahrzehnte zurück.
Da stand in der Beethovenstraße auch ein „Wasser-Tower“, den die Isenburger im schlichten Dialekt als Wassertorm“ bezeichneten.
Ja, unser Wasserturm! Er fiel in den Nachkriegsjahren, als überall aus den Trümmern der Bombennächte neue Häuser und Gebäude entstanden dem damaligen „Bauwahn“ zum Opfer.
Was könnten wir heute mit ihm für unsere Stadt werben. Ebenso mit dem daneben liegenden Stadtbad mit seinen wunderschönen Jugendstil-Fliesen. Das waren noch Zeiten, da nicht jede Familie ihr Bad hatte. Da kostete ein Wannenbad so viel ich noch weiß 50 Pfennig und ein Brausebad 30 Pfennige, die uns die Mutter am Wochenende in die Hand drückt und mahnte: Wasch’ nur deinen Hals richtig und komm’ nicht mit einem noch schmutzigen Rabenhals nach Hause.“

Als ich aufgerufen wurde, musste ich mich sammeln. Doch ein Blick auf den „Water-Tower“ holte mich schnell in die Realität zurück . . .

Im Wartezimmer (2)

vom 21. Februar 2015

Zwei Wochen später. Das gleiche Wartezimmer, in der Ecke steht noch immer der „Water Tower“. Wieder warten die Patienten auf ihren Aufruf.
Als es einem jungen Mann zu lange dauert, greift er in die Tasche und holt sein Handy heraus. Ein Blick darauf und schon wird lässig auf die Tasten getippt und dann hat er sein Publikum, als er mit der Inge spricht und sie nach dem Gerd fragt. Da werden die Ohren gespitzt um „diskret“ mit zu hören.
Doch das Beispiel des jungen Mannes macht Schule. Eine junge Dame kramt in ihrer überdimensionalen Handtasche und zaubert – was kann es schon sein – ein Handy heraus. Das Spiel wiederholt sich. Anruf und die Mitteilung an den Gesprächspartner am Ende der „Strippe“, „dass es heute etwas länger dauert, da das Wartezimmer voll besetzt ist“.
Nach einer kurzen Pause geht die Tür erneut auf und ein weiteres weibliches Wesen kommt herein. Kaum Platz genommen, ein Blick in die Runde und dann wird angerufen. Der Teilnehmer meldet sich und bekommt die Information, „dass ich gut angekommen bin“, verbunden mit der Bitte: „Du holst mich doch ab, wenn ich beim Arzt war. Ich rufe dann an.“
Moderne Zeiten denke ich, der nur ein sorgsames gehütetes Notruf-Handy hat. Dann wurde ich zum Arzt gebeten und damit endet die Episode im Wartezimmer die eigentlich kurzweilig war, glaubt zumindest . . .

Wintergedanken

vom 21. Februar 2015

Es ist einer jener Wintertage, die schon seit Monaten die Menschen in Stadt und Land in die Depression treiben. Zwischen sechs und zehn Grad plus zeigt das Thermometer an und auch das Barometer steht seit einigen Tagen auf Schönwetter.
Mir geht es auf jeden Fall so. Da plagt mich Wochen lang ein Schnupfen und ich muss immer wieder aufpassen, dass mich ein Tropfen aus der Nase nicht überrascht und mir zeigt: „He, ich bin dein Schnupfen und ich fühle mich wohl bei dir.“
Recht hat er. Doch ich gebe den Kampf nicht auf. Da er über die Medikamente aus der Apotheke gelächelt hat und weiter für eine Triefnase sorgt, versuche ich ihn mit viel frischer Luft und langen Spaziergängen mit meinem Freund „Fritzi“ zu überlisten. Es hat einige Tage gedauert und jetzt gibt er langsam auf.
Die liebe Hausfrau ist ihm in der gleichen Zeit mit Tee auf den Leib gerückt – und siehe da: „Der Schnupfen hat kapituliert und zieht sich immer mehr zurück.“
Die Moral von der Geschicht’, verzage selbst bei einem hartnäckigen Schnupfen nicht. Darüber freut sich jetzt der fast schnupfenfreie . . .

Fruchtfliegen

vom 03. Oktober 2014

Sie kamen in Schwärmen und überfielen die mit leckeren Sommerfrüchten gefüllte Obstschale auf der Ablage des Küchenschrankes. Die Hausfrau, die mit allem was da durch ihre Küche kreucht und fleucht nichts am Hute hat, war sprachlos. Ein Zustand, den ich in über 50jähriger Ehe nie geschafft habe. Auf jeden Fall musste das Obst und andere Speisen, die zum Abkühlen hin gestellt wurden, in Sicherheit gebracht werden. In den Kühlschrank, in den Keller und unter Gazehauben. Doch die Fliegen hatten eine mehr als „feine Nase“ und fanden die geringste Lücke oder Spalte und tummelten sich weiter an unserem Obst. Guter Rat war teuer. Was tun gegen die unwillkommenen Gäste. Doch wenn die Not am größten ist, ist Hilfe am nächsten. Bei einem Spaziergang mit meinen Hund traf ich eine Bekannte, die ebenfalls ihren „Leo“ ausführte.
Als ich ihr unser Leid klagte, hatte sie ein „Rezept“ zur Dezimierung der Fruchtfliegen bereit. Sie empfahl Obstessig mit einem Schuss Gechirrwaschmittel in einer flachen Schale zu verrühren. Keine Nahrungsmittel die Fruchtfliegen anziehen, in der Nähe auf zu bewahren. Gesagt, getan! Die Schale stand. Die Fliegen umkreisten den Schrank, doch der Erfolg blieb aus. Sie waren noch in ihrem „Revier“. Dann aber lockte der Duft des „Gebräus“ in der Schale die ersten an. Sie ließen sich am Rande nieder und das war ihr verderben. Sie rutschten am glatten Glas herunter und konnten sich aus der Flüssigkeit nicht mehr befreien. Nach einigen Stunden waren schon einige abgetaucht und am nächsten Morgen war eine ganze Menge der „Viecher“, wie sie die Hausfrau titulierte, aus dem Verkehr gezogen. Sie konnten uns nicht mehr tyrannisieren.
Inzwischen gehört die Wohnung wieder uns. Die Fruchtfliegen haben sich verzogen und die Küchenchefin atmete auf: „Endlich kann man mal wieder etwas hinstellen, ohne dass die Fliegen darauf landen.“ Kaum hatte sie es gesagt, brummte eine Wespe um sie herum, die auch nicht gerade ihre Freundin ist.
Doch wer rettete sie: Natürlich ich. Die Wespe flog an der Fensterscheibe auf und ab. Als ich ihr den Finger hin hielt und sie sich darauf setzte, bekam ich keinen Dank, sondern die Drohung; „Wenn sie dich sticht, bist du selbst schuld. Wer lässt schon eine Wespe an seinem Finger herumkrabbeln?“
Als ich ruhig blieb und die Wespe aus dem Fenster in die Freiheit entließ, meinte sie lakonisch das war wieder einmal typisch . . .

Gefiederte Begleiter

vom 03. Oktober 2014

Es gibt Dinge, die gibt’s gar nicht. So glaube ich wenigstens. Als ich vor kürzlich mit meinem Pudel „Fritz“ noch vor dem Frühstück den ersten Spaziergang unternahm. Da er ohne ein kleines „Leckerli“ nicht laufen kann, bekam er aus seiner speziellen Dose einen kleinen Leckerbissen in den Mund geschoben. So weit, so gut! Wenn nicht gegenüber auf einer Peitschenlampe eine Rabenkrähe den Fütterungsakt beobachtet hätte. Sie wiegte den Kopf hin und her. Machte mit einem kräftigen „Krah, Krah“ auf sich aufmerksam. Neugierig wie ich bin, streute ich ein paar der kleinen Bissen auf den Bürgersteig und wir gingen weiter. Als ich mich nach ein paar Schritten umdrehte, pickte „meine Krähe“ das Hundefutter auf und als es weiter ging, flog sie mit und bettelte immer wieder nach dem Futter aus der Dose. „Fritz“ opferte ein Teil seiner Ration und unsere Begleitung nahm sie dankend an.
Inzwischen sind fast drei Wochen vergangen und aus der einen Krähe sind zwei geworden, die jeden Morgen gegen acht Uhr auf uns warten. Wenn ich sie nicht sehe, so höre ich doch ihr Krah, Krah“. Es ist dies die Mahnung: „Wir sind da, lass endlich was in unsere Schnäbel wachsen“. Da mich die kesse „Bettelbande“ amüsiert und „Fritz“ ohne Knurren sein erstes Frühstück mit ihnen teilt, habe ich immer eine separate Futterdose dabei, die innerhalb einer halben Stunde geleert ist. Als es dann nichts mehr gibt, schwingen sie sich in die Luft und mit einem letzten „Krah, Krah“ verabschieden sie sich bis zum nächsten Morgen.
Als ich meiner Frau von den Vögel erzählte, meinte sie: „Du schreckst aber auch vor nichts zurück und jetzt fütterst du auch noch die Raben.“
Da für sie alle schwarzen Vögel Raben sind, berichtigte ich sie und erklärte, dass es sich hier um Rabenkrähen handelt. „Das ist mir egal“, meinte sie, „bring sie aber ja nicht mit in den Garten.“
Jeden das Seine und mir mein Vogel“, dachte kurz und bündig . . .

Sag mir wo die Kinder bleiben...

vom 29. Juli 2014

Der hohe Sommer meint es in diesen Tagen mehr als gut mit uns. Temperaturen und über die 30 Grad und mehr signalisieren Schwimmbadwetter. Das neue Bad ist inzwischen bekannt und die Zahlen der Badegäste sprechen eine deutliche Sprache. So weit, so gut!
Doch es gibt noch einen Ort in dem sich in den vergangenen Jahren Familien mit Kleinkindern und etwas älter gern aufgehalten haben. Gemeint ist der Spielpark Tannenwald mit seinen mehr als beliebten Wasserspielen.
Seit Monaten ist es still um sie geworden. Schon im Frühjahr erklärte die Stadt Frankfurt auf deren Territorium der Spielpark zu finden ist, dass sie wegen Defekten geschlossen werden müssen. Gesagt, getan!
Oskar, der öfter den Parallelweg mit der Friedensallee mit seinem Hund „Fritz“ geht, registrierte zunächst immer weniger Besucher und vermisste das lustvolle Schreien der Kinder, die früher die Wasserplatte mit ihren Fontänen bevölkerten. Jetzt in den Ferien und dem entsprechenden Wetter fällt die Stille auf. Nur wenige Kinder und Erwachsene sind zu sehen und die Stille hat etwas Unwirkliches.
Eine Gruppe von Kindern und Erwachsenen die sich auf einen Urlaubstag im Spielpark Tannenwald gefreut hatte und angeradelt kam, stellte enttäuscht fest, dass die Wasserspiele versiegt sind. Nur ein dünner Wasserschlauch mit einem Sprühkopf soll für Kühlung sorgen. Eine junge Frau, beschloss dann für alle: „Machen wir’s kurz und fahren in das neue Schwimmbad, das soll sehr schön geworden sein.“ Mit einem letzten Blick auf die trockene Wasserplatte schwangen sie sich in den Sattel und ab ging’s ins Schwimmbad.
Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen. Doch noch eines. Die Stadt Frankfurt baut mit großem finanziellem Aufwand die Straßenbahnlinie von und nach Frankfurt um und aus, lässt den Kreisel an der Endstation verschwinden und einiges mehr. Klar, dass dann für einen Kinderspielpark nichts mehr übrig ist. „Sag mir wo die Kinder bleiben“, fragt sich da . . .

Buntgeflügeltes I

vom 07. Juli 2014

Die liebe Sonne meint es seit Tagen, nein, seit Wochen gut. Zu gut, stöhnen die Menschen, wenn die Quecksilbersäule des Thermometers locker und leicht die 30-Grad-Marke überspringt. Auch Oskar sucht den Schatten unter der Markise über der Terrasse. Als er sich über das Geländer beugt, fällt sein Blick auf den großen Topf mit blühendem Lavendel. Ein leichter Wind lässt die dünnen Stängel hin und her zittern.
Als ich mich in die Hitze wagte und zum Lavendel strebte, fielen mir zwei rotbraun bepelzte Hummelchen auf. Sie waren Stammgast am südlichen Gewächs und nutzten die Blüten als Pollenspender. Mit Akribie flogen sie hin und her und ließen sich von jedem Windhauch hin und her schaukeln und nicht beim Sammeln stören.
Es sah lustig aus, wie sie so hin und her, rechts oder links, auf ihren blauen Blüten tanzten. Selbst als der Wind etwas stärker wehte, setzten sie das Einsammeln der Pollen fort.
Dann kam die Minute des Abschieds: Die eine Hummel flog hoch, die andere sortierte erst ihre Pollenfracht, um sich dann auch in den blauen Äther zu schwingen.
Ich blieb allein zurück und war schon ein wenig neidisch, das ich nicht mit fliegen konnte. Doch zu Hause ist es auch schön und dem Hummel Duo wünscht alles Gute . . .

Buntgeflügeltes II

vom 07. Juli 2014

Es dürfte schon ein, zwei Jahre her sein, dass ich mir einen Sommerflieder wünschte und von der besten Ehefrau von allen (hab’ ich bei Kishon geklaut) einen geschenkt bekam. Der Flieder wurde eingebuddelt. Bekam reichlich Wasser und wuchs zu einem stattlichen Busch heran. Im Sommer kamen die ersten Schmetterlinge und unterstrichen den im Volksmund gebräuchlichen Namen Schmetterlingsflieder. Inzwischen kam noch ein weiterer Strauch dazu und auch in diesen Monaten der Blüte herrscht reges Leben im „Busch“. Nicht nur die bunten Edelsteine der Luft waren Gast und labten sich an den Dolden. Auch die Insektenwelt ob Bienen, Wespen, Hummeln, Wildbienen und sogar die eine oder andere Hornisse ließ sich sehen. Die aber war weniger an der süßen Gabe interessiert, sondern ging auf Raub aus. Deshalb haben sie auch den Namen Raubinsekten, da sie sich über die Wespen her machen und diese sogar im Fluge überfallen.
Für Oskar ist es aber ein Anblick zum Verweilen, wenn drei oder vier verschiedene Arten von Schmetterlingen im Flieder landen und ihren „süßen Appetit“ stillen.
Die beste Ehefrau von allen hat ebenfalls ihre Freude an den bunten Gesellen, zumal die von ihr geliebte, bunte Blütenpracht in den verschiedensten Töpfen nur schön ist, aber keinen Schmetterling oder ein Insekt anlockt.
So hat jede seine Freude und dass sie noch lange hält hofft . . .

Asylsuchende

vom 06. Mai 2014

Erst jetzt fiel es mir auf, als ich mit meinem Pudelfreund „Fritz“ über den Park-und Rightplatz an der Straßenbahn-Endstelle dem nahen Frankfurter Wald zu strebte. Was mir einfiel, wollen Sie wissen? Es war die zunehmende Zahl an Autos mit Mainzer Nummern. Als ich so nachdachte, was die Mainzer alle in unserer nahe Umgebung führte, kam nach einigen Minuten so etwas wie Erleuchtung.
„Fritz“, habe ich gesagt, „jetzt weiß ich warum die zahlreichen Mainzer Autos hier stehen.“ Mir war der Sieg der Frankfurter Eintracht vor ein paar Wochen eingefallen und jetzt nahm ich an, dass die frustrierten Mainzer das Weite und in Frankfurt und Umgebung Asyl suchen.

Da der Sieg in der Fastnachtsstadt der Eintracht nicht viel im Abstiegskampf geholfen hat, bleibt nur die Hoffnung auf Besserung in den letzten Spielen der Saison. Zu „Fritz“ meinte ich, jetzt müssen die Fußballgötter der Eintracht helfen, sonst würde die Region fußballerisch mehr oder weniger mehr veröden. Was glauben Sie, was der „Fritz“ mir vor bellte: „Nie mehr zweite Liga“, nie mehr zweite Liga!“
Da konnte ich nur noch zustimmen gesteht . . .

Wer hat Dich, Du schöner Wald...

vom 06. Mai 2014

. . . so beginnt ein Lied aus der guten, alten Zeit, das die Schönheiten des Waldes poetisch besingt. Doch inzwischen hat sich viel geändert. Der Wald ist inzwischen für heutige Zeitgenossen der Platz für allen möglichen Hausmüll und anderen Unrat geworden.
Da steht, um einige Beispiele zu nennen, ein Fahrrad ohne Räder, nur noch Rahmen und Lenkstange. Fünf Schritte weiter, hat ein Mensch seine Wohnung renoviert und den Weißbinderdreck sowie die Tapetenreste unter einer lichten Hecke „entsorgt“. Dann kommt ein Papierkorb, der vom Ständer gerissen wurde und dessen nicht gerade appetitlicher Inhalt wahllos über die Zu- und Abfahrtsstraße verteilt wurde. Die Aufzählung könnte beliebig fortgesetzt werden.
Doch nicht nur Abfall wird im Wald deponiert. Am Luderbach steht ein Auto auf dem Waldweg, ein fürsorglicher Autobesitzer holt sich mit einem Eimer Wasser aus dem Bach und mit einem Zusatz versehen putzt er seine Karosse.
Das verschmutzte Wasser wird einfach neben den Weg geschüttet. So einfach ist es mit dem schönen Wald. Nur wie lange noch, fragt sich . . .

Bücher

vom 16. Januar 2014

Die Zeit zwischen den Jahren wollte Oskar nutzen, um seinen Buchbestand zu reduzieren. Es kamen immer wieder Neue dazu und die aus meiner Sturm- und Drangzeit wollte ich einfach nicht hergeben. Ich begann zu sichten und stapelte Buch und Büchlein auf. Schnell hatte ich über fünf nicht gerade niedrige Stapel. Dass mein Bestand weniger geworden wäre, war nicht zu merken.
Der scharfe Blick der Hausfrau erkannte sofort: „Du willst gar keine Bücher aussortieren, sondern nur umsetzen.“ Wie Recht hatte sie. Es fiel mir wirklich nicht leicht meine lieb gewonnenen Bände her zu geben. Als ich noch jung war und es nach dem Krieg in erster Linie nur Wildwest-Romane gab, war ich Stammkunde in einer Leihbücherei. Als dann die Stadtbücherei in der Bahnhofstraße öffnete, hatte ich die Kundennummer sieben. Ich las alles, was mir unter die Finger kam und was mir der damalige Bibliothekar Georg Freudenberger empfahl.
Später als ich auf die Büchergilde Gutenberg aufmerksam wurde, brachen die Dämme. Titel „Wie im Westen nichts Neues, „Drei Kameraden“, kurzum Remarque wurde zu meinem Lieblingsautor. Von A. J. Cronin besitze ich sämtliche Bände. Die Büchergilde war eine Fundgrube für mich und noch heute zieren den überfüllten Bücherschrank die nicht nur inhaltlich, sondern auch handwerklich hervorragend hergestellten Bücher.
Bis jetzt habe ich noch kein einziges Buch aussortiert, sondern nur umgesetzt gesteht. . .

Monster

vom 16. Januar 2014

Sie geistern durch die Welt der Phantasie: Die Monster! Es gibt sie in allen Variationen. Einmal riesengroß, einmal doppelbreit, dazu stockhässlich und
meist auch nicht gerade liebenswürdig. Eben Monster!
Jetzt hat sie auch die Pharmazie entdeckt. Sie sind ein Erkennungszeichen für ein Erkältungsmittel, das gegen Husten helfen soll. In der Werbung geistern sie Tag für Tag, Abend für Abend über den Bildschirm.
Es sind die inzwischen längst bekannten Schleimmonster. Zynisch grinsende blaue, Gesellen, die sich in den Lungenflügeln breit machen und den Betroffenen mit Husten und Schleim quälen.
Doch glaubt man der Werbung sind ihre Tage gezählt. Denn das Medikament vertreibt sie aus der Lunge und auf der Flucht vergeht ihnen das Grinsen und sie verschwinden.
Vielleicht ist aber jetzt mancher Mensch traurig, dass ihn „seine Monster“ verlassen haben. Keine Angst, bei diesen Temperaturen kann es schnell wieder zu einer Erkältung kommen und die „Hausmonster“ sind wieder da, glaubt der von Husten geplagte . . .

Winterrose

vom 16. Januar 2014

Das alte Wort vom Winter der ein harter Gesell und kernfest auf die Dauer ist, haben wir in diesen Monaten nicht gespürt. Eigentlich sollte er Eis und Schnee herum streuen. Doch da tat sich nichts.
Das Thermometer fiel kaum einmal unter Null. Sonst zeigte es meist Plusgrade z. T. im zweistelligen Bereich an.
Im Garten hat eine uralte Rose einen Platz und füllt seit Jahresbeginn langsam und bedächtig einen Zweig mit Blütenknospen, die sich jetzt eine nach der anderen entfalten.
Oskar beobachtet dauernd den Fortschritt und freut sich diebisch über die „Winterrose“, die zum erstenmal seit er sie kennt im Januar blüht. Dabei weiß er, dass eine Frostnacht die ganze Herrlichkeit zunichte machen kann.
Was ihm jetzt bei einem Spaziergang mit Freund „Fritzi“ im Frankfurter Wald auffiel: Einige Laubbäume waren in den frostfreien Tagen der Motorsäge zum Opfer gefallen. Die meisten von ihnen waren hohl und wirkten nur noch durch das äußere Holz standfest. Ein Teil der Bäume hatte aber noch grüne Zweige – und jetzt kommt’s: An den Zweigen hatten sich inzwischen grüne Sprossen gebildet, die, so schien es, auf den Frühling warteten, um sich als frisch grüne Blätter zu präsentieren.
Da haben Menschen, Pflanzen und Bäume eines gemeinsam: Ein warmer Winter kann uns gestohlen bleiben meint . . .

Gewerzel (Suppengrün)

vom 10. November 2013

Wer’n Freund mittem Klaagarde hot, braucht sich um Salad, Gemies un Gewerzel kaa Sorche zu mache. Am End von de letzte Woch’ kreuzte Alex uff un hot e ganz’ Dutt voll Gewerzel gebrocht. Sellerie mit de Knolle, Geleriewe un Laach.
Die Hausfraa hot gegrinst, so isses mir vorgekomme, un hot gesacht: „Gell, dess duhst du putze, dass merss oifriere kenne. Da Oskar een liewe Kerl iss, hot er sich über die Geeleriewe, de Sellerie un de Laach hergemacht.
Gebutzt, gewäsche un geschnipselt. „Hoste aach alles sauwer gebutzt“, maant die Hausfraa kritisch.
Ei, klohr, hab’ ich alles sauber gebutzt und hab’ zugefiegt: „Wenn’s trocke iss. Kenne mer dess Grienzeuch oifriern“.
Als es soweit wor, alles dorchgemischt, hawwe mer die Gefrierbeudel gefillt un die Luft erausgelosse, damit de Inhalt kaan Gefrierbrand krieht.
Am End hot mich die Hausfraa gelobt un sich bedankt, dass ich ihr so doll geholfe hab.

Da die Fraa des Hauses mit Lob eichentlich sehr sporsam iss, sinn mer vor Schtolz fast die Knepp vom Hemd gefloche . . .

Suppengrün

Wer einen Freund mit einem Kleingarten hat, braucht sich um Salat, Gemüse und Suppengrün keine Sorgen zu machen. Am Ende der letzten Woche kreuzte Alex auf und hat eine ganze Tüte voll Suppengrün gebracht. Sellerie mit den Knollen, gelbe Rüben und Lauch.
Die Hausfrau hat gelächelt, so ist es mir vorgekommen, und hat gesagt; Gelt, das tust du putzen, dass wir es einfrieren können. Da Oskar ein lieber Kerl ist, hat er sich über gelbe Rüben, Sellerie und Lauch hergemacht. Geputzt, gewaschen und klein geschnitten. „Hast du alles sauber geputzt“, meint die Hausfrau kritisch. „Ei, klar, habe ich alles sauber geputzt und habe hinzugefügt: „Wenn es trocken ist, kennen wir das Grünzeug einfrieren.“
Als es soweit war, alles durch gemischt, haben wir die Gefrierbeutel gefüllt und die Luft heraus gelassen, damit der Inhalt keinen Gefrierbrand bekommt.
Am Ende hat mich die Hausfrau gelobt und sich bedankt, dass ich ihr so toll geholfen habe.
Da die Frau des Hauses mit Lob eigentlich sehr sparsam ist, sind mir vor Stolz fast die Knöpfe vom Hemd geflogen . . .

Marienkäfer

vom 10. November 2013

Trüb, regnerisch und kühl begann der Tag. Dunkle Wolken ließen keinen Sonnenstrahl durch. Doch als es Mittag wurde, lichtete sich das graue Gewölk und tatsächlich ließ sich Frau Sonne wieder einmal blicken.
Auch mich zog es hinaus und beim Gang durch den bereits herbstlichen Garten, fühlte ich plötzlich ein zartes Krabbeln auf dem Handrücken. Schon wollte ich die lästige Fliege abstreifen, da merkte ich, dass sich ein Marienkäfer dort nieder gelassen hatte. Der kleine Kerl blieb ruhig sitzen und breitete die Flügel im wärmenden Sonnenschein aus und ich freute mich, dass mitten im bisher grauen Herbsttag ein mutiger Marienkäfer die Sonne genoss. Nach einer Weile spannte er die Flügel und flog weiter.
Dem kleinen rot-schwarz gepunkteten Kerl wünsche ich alles Gute und ein sicheres Winterquartier . . .

Schlecht gelaunt

vom 10. November 2013

Bereits am Abend kündigte, die zur Zeit nicht ganz gesunde Gattin an: „Du musst morgen früh in den Supermarkt und einkaufen.“ Oskar war nicht gerade begeistert, da er wusste, was ihm blüht. Nach dem Kaffeetrinken bekam er einen Zettel vorgelegt und den „Befehl“: „Das sind die Sachen, die du holen musst!“
Das fast leere Portemonnaie wurde aufgefüllt, der Zettel eingepackt, Korb und Tasche – noch leer – im Kofferraum verstaut, in dem noch einige Kisten mit Büchern, die Oskar weiter geben will ein ruhiges Dasein fristeten.
Der große Parkplatz war locker besetzt, überall Lücken, so dass Oskar keine Mühe hatte, sein Gefährt unter zu bringen.
Als er vor den Einkaufswagen stand und in seinen Taschen kramte, merkte er, dass er den üblichen Chip vergessen hatte. Zurück und nach gesehen. Von einem Chip keine Spur. Oskar dachte nach und überlegte, ob er den Chip beim letzten Einkauf eventuell in das Portemonnaie gesteckt hatte. Die Nachschau rentierte sich: Der Chip fühlte sich mitten im Kleingeld wohl.
Jetzt flugs ein Einkaufswagen geholt und ab ging es in den Markt.
Beim obligatorischen Suchen der einzelnen Artikel fiel Oskar auf, dass die Kunden, die suchend durch die Gänge schlenderten ein richtiges Montagsgesicht aufgesetzt hatten. Keiner lächelte, ein Ehepaar(?) war sich nicht im Klaren, ob sie das Sonderangebot kaufen sollten oder nicht.
Eine ältere Frau schimpfte vor sich hin: „Jetzt suche ich schon eine ganze Zeit und finde nicht das was ich haben will.“ Ich konnte es ihr nach fühlen, da es mir ebenso ging.
Auf jeden Fall hatte Oskar das Gefühl, dass fast alle Kunden mit dem linken Fuß aus dem Bett geklettert waren. Doch dann stahl sich bei dem einen oder anderen ein Lächeln ins Gesicht. Zwei Halbwüchsige hatten einen Einkaufskorb in dem der eine saß und der andere ein Rennen zwischen den Gängen probierte. Als es nicht klappte, gaben sie auf und verabredeten, das Rennen draußen auf dem Parkplatz fort zu setzen: „Du weißt ja, dass ich immer den Wagen in die „Garage“ fahre und dafür die Hälfte des Euro bekomme“, meldete einer der Jungens seinen Anspruch an.
Danach verlor ich das Duo aus den Augen und erinnerte mich an meine Jugend im 2. Weltkrieg, als es keinen Supermarkt gab, das Tante-Emma-Lädchen um die Ecke die Marke für 125 Gramm Butter von der Lebensmittelkarte abschnitt mit der wir eine Woche auskommen mussten. Gab es dann ein Butterbrot, war Feiertag . . .

Über einen Taugenichts

vom 09. September 2013

Vor einigen Tagen entdeckte ich am Blumenladen vor dem Alten Friedhof auf einem kleinen Tisch Bücher aller Art. Auf Nachfrage erklärte mir die freundliche Blumenfrau, „dass Kunden die ihren Buchbestand reduzieren wollen, die Bücher vorbei bringen und die gegen eine kleine Spende in die Kaffeekasse ausgesucht und mit genommen werden können“. Ein kleines Büchlein, das wenig Beachtung fand erregte meine Aufmerksamkeit. Es war in Leinen gebunden und auch sonst handwerklich sehr gut gemacht. Der Titel „Aus dem Leben eines Taugenichts“ und der Autor Joseph von Eichendorff (*1788 – †1857) ließen mich zugreifen und für einen Obolus gehörte das Buch mir.
Sein Inhalt in Kurzform: Ein fauler Müllersohn, den sein Vater aufforderte hinaus in die Welt zu gehen und sich sein Brot selbst zu erwerben, nahm die Aufforderung wörtlich. Er nahm seine Geige und bekam vom Vater noch „einige Groschen“ und machte sich auf die Welt zu entdecken. Er sang und spielte auf seinem Instrument, lernte Menschen kenne, verliebte sich in eine „wunderschöne Frau“, der er ein kurzes Gedicht widmete. „Wohin ich geh’ und schaue, in Feld und Wald und Tal, vom Berg ins Himmelsblaue, vielschöne gnädge Fraue, grüß ich dich tausendmal.“
Es gab ein happy end und aus dem „Taugenichts“, der sich sein Brot unterwegs mit Geigenspiel verdiente wurde ein Ehemann, der mit seiner Frau voller Glück seine Schritte nach Italien lenkte, und dort ein gemeinsames Glück fand.
Eine romantische Geschichte, aber sie faszinierte mich durch die lebhafte Schilderung des „Taugenichts“, der sein Leben selbst in die Hand genommen hat und das Beste daraus machte . . .

Blühende Pfefferminze

vom 09. September 2013

Es war im Frühsommer als die kräuterliebende Hausfrau ihre „Sammlung“ von mehr oder weniger duftenden oder riechenden Würzpflanzen bereicherte. Unter anderen war auch ein Busch Pfefferminze dabei und der hat es jetzt im Spätsommer und frühem Herbst in sich. Zunächst wurde manches Gericht oder Salat mit Minzblättern gewürzt, was den Speisen einen gewissen Pep verlieh und sie noch schmackhafter machte.
Jetzt, da die Tage kürzer werden, blüht die Pfefferminze noch recht üppig und lockt ganze Scharen von fliegenden Insekten an. Da schwirren kleine geflügelte Tierchen um die Blüten und kaum, das sie sitzen kommen Fliegen aller Art, Einsiedlerbienen, Wespen, Honigbienen und naschen am Pfefferminzbusch.
Obwohl ich Pfefferminze schon lange kenne, die im 2. Weltkrieg von Schulklassen, neben anderen Heilkräutern, gesammelt werden mussten,
wusste ich nicht, dass sie auch Insekten anlocken. Wir mussten Pfefferminztee trinken, frei nach dem Spruch der Oma: „Pefferminztee iss gut geesche Bauchelscheweh“. Übersetzt heißt dies: „Pfefferminztee hilft gegen Leibschmerzen“ Allerdings musste er meist ungesüßt getrunken werden, da im Krieg der Zucker mehr als knapp war.
Der Pfefferminzbusch im Topf wird uns aber weiter erhalten bleiben, denn er hat jede Menge Ausläufer getrieben von denen ich zwei in den Garten gepflanzt habe und die schon kleine Blättchen haben. Jetzt hoffe ich, dass er den Winter übersteht und die Hausfrau mit selbstgezogener Minze überrascht werden kann . . .

Frühkonzert

vom 09. September 2013

Der Herr von Ribbeck im Havelland hatte, frei nach Theodor Fontane, einen Birnbaum im Garten mit dessen Früchten er jedes Jahr zur Reifezeit der Früchte die vorüber gehenden Mädchen und Buben erfreute.
In unserer Stadt gibt es zwar keinen Herrn Ribbeck aber immerhin steht im Garten der Familie F. ein sehr alter Mirabellenbaum, der so hoch gewachsen ist, dass Pflücken lebensgefährlich ist.
Jetzt da die Mirabellen schon fast überreif und zuckersüß sind, kommen ganze Scharen von gefiederten Gästen und lassen es sich im hohen Geäst gut gehen. Ganz gleich ob Star, Sperling oder Meise, es ist ein stetes Kommen und Abfliegen nach dem die Vögel sich an den gelben Früchten gütlich getan haben.
Als ich vor kurzem am Haus vorüber ging, wollte ich meinen Augen nicht trauen: Ein Distelfink, ein kleiner Buntspecht und ein Dompfaff aus dem nahen Wald hatten sich unter die eifrig schmausende Schar gemischt und leuchteten wie bunte Farbtupfer in der Morgensonne. Was mich einigermaßen verblüffte: Eichhörnchen, die sonst gern die Hausgärten nach Leckerbissen absuchen, habe ich noch nicht gesehen.
Die Familie F. wird bestimmt jeden Morgen durch ein munteres Frühkonzert geweckt. Ob sie Beifall klatscht oder dem abgebrochenen Schlaf nach trauert macht ihren Gästen nichts aus. Da heißt es halt, mit den Vögeln aufstehen.
Unter dem Strich ist Neu-Isenburg schon „eine besondere Stadt“. Sie hat zwar keinen Herrn Ribbeck und einen Birnbaum, aber eine muntere Vogelschar im alten Mirabellenbaum zur Freude von . . .

PS: Halt! Jetzt fällt mir gerade noch ein, dass auch wir einen Birnbaum haben, der auf dem Grundstück unseres Mitglieds Dr. Harries steht und unter dem vor einiger Zeit der Birnbaum aus dem Havelland fröhliche Urständ feierte und der Hausherr und seine Familie den Herr von Ribbeck auf Isenburger Boden zu neuem Leben erweckten.

Liebeserklärung an eine alte Rose

vom 28. Juni 2013

Man schrieb 1945. Der 2. Weltkrieg war gerade mit verheerenden Folgen für das deutsche Volk zu Ende gegangen, als ich sie kennen lernte.
Sie war schmächtig und hatte zwei, drei kleine Blüten, die in einem zarten Rosa strahlten. Schnell schloss ich Freundschaft mit ihr, die nur wenig beachtet im kleinen Vorgärtchen der früheren Buchdruckerei August Koch ihr Dasein fristete. Sie bekam im Sommer regelmäßig ihr Wasser und später, als sie munter wuchs, schnitt ich ihr auch ab und zu einige überzählige Zweige ab.
Damals wurde ich als Schriftsetzer ausgebildet. Ein Beruf, den es heute nicht mehr gibt und von den Mediengestaltern abgelöst wurde.
Die Jahre vergingen, die Rose entwickelte sich zu einem wunderschönen Busch und erfreute viele Besucher der Druckerei. Doch irgendwann in den siebziger Jahren – wir Koch-Leute waren inzwischen bei der Frankfurter Neuen Presse gelandet – wurde die Druckerei aufgegeben und nur die Redaktion bei der ich inzwischen eingestiegen war, etablierte sich in Räumen in der Frankfurter Straße/Ecke Kronengasse.
Als ich erfuhr, dass die Betriebsgebäude abgerissen werden sollten, flitzte ich hin und konnte die Rose gerade noch vor der Baggerschaufel retten. Sie fand in der Hugenottenallee im Vorgarten eine neue Heimat. Doch das Pech klebte an ihr. Der Hausmeister erwischte sie beim Rasenmähen mit der Maschine kurz über dem Wurzelstock und schnitt ihn fast zur Hälfte ein. Als ich am Abend das Malheur entdeckte, besorgte ich, so quasi in letzter Minute, Baumwachs und Hanf. Ein „Verband“ wurde angelegt und das Wunder geschah, die „Wunde“ schloss sich im Laufe der Wochen und Monate und die Rose dankte es mit üppigem Blütenflor. Lange Jahre vergingen, die Rose wurde älter und noch einmal musste sie umziehen. Von der Straße hinweg in den hinteren Grünbereich. Inzwischen war ihr Wurzelstock dick und verknorpelt und das Umziehen bekam ihr nicht besonders. Sie schwächelte vor sich hin und nach den letzten kalten und langen Wintermonaten sah es aus, als wolle sie aufgeben. Doch nein, sie kämpfte, verkraftete dürres Holz und in diesem Jahr – oh, Wunder – trieb sie einige starke Zweige aus die in voller Pracht erblühten.
Ich war stolz und glücklich zu gleich: Das alte Mädchen dürfte etwa Sechzig Jahre, eher älter, sein.
Jetzt können Sie vielleicht meine Liebeserklärung an meine alte/junge Rose und ihren Lebenswillen verstehen, hofft . . .

Behördennummer 115

vom 28. Juni 2013

In letzter Zeit sprachen mich einige Mitbürgerinnen und Mitbürger an: „Du/Sie waren doch bei der Zeitung und Journalisten wissen meist über alles Bescheid.
Da steht vor dem Rathaus in der Hugenottenallee eine große Zahl in schwarz-rot-gold, was soll denn die bedeuten. Hat das Rathaus eine neue Telefon-nummer?“
Ein wenig stolz, dass sich noch so viele an mich erinnern, erteilte ich Auskunft und erläuterte, dass es sich um eine neue Behörden-Rufnummer handelt, die bei Problemen gleich welcher Art angerufen werden kann und die in den meisten Fällen auch befriedigend gelöst werden können. Die 115 ist bereits seit 2012 in mehr als 100 Städten, Landkreisen und Gemeinden frei geschaltet, so auch in unserer Stadt.
Erklärtes Ziel der Rufnummer 115 ist es, Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen und Institutionen ortsnah und direkt bei einem Anruf zu helfen. Kommunale Service-Center stehen für konkrete Beratung und Unterstützung zur Verfügung.
Ehrlich: Natürlich wusste ich auch nicht alles übe die 115. Doch das Internet war hilfreich und wer noch mehr über das Bürgertelefon wissen will, kann sich unter http./115.de informieren . . .

Träumerei

vom 28. Juni 2013

Es war eine der wenigen Frühsommernächte, die mit zweistelligen Plustemperaturen und feuchter Wärme imponierten. Das Wetter war ideal für Schnecken, die gleich „rudelweise“ auftraten. Kleinere und größere der „Kriechtiere“, die ihr Haus mittragen „kletterten“ langsam aber zielgerichtet die kleinen Mauern an den Hausgärten hoch, um in Gras und Buschwerk ihren Hunger zu stillen. Oskar war nach Mitternacht mit seinem „Fritzi“ unterwegs und rettete einige Schnecken vor dem Zertreten werden durch Spätheimkehrer.
Als wir weiter gingen waren wir plötzlich von einer ganzen Menge von Schnecken umringt. Eine von ihnen „arbeitete“ sich an mir hoch und als sie meine Schulter erreicht hatte, hörte ich ein ganz feines Stimmchen: „Hallo, Oskar, auch wenn wir bei den Menschen nicht gerade beliebt sind, als „Schleimer“ gelten, uns gern von ihrem Salat und anderen Gartenfrüchten ernähren, wollen wir dir Dank sagen, dass du hier in der Stadt aber auch auf den Waldwegen einige unserer größeren Artgenossen gerettet hast.
Sie haben uns wissen lassen, dass du sie vom Weg, den sie gerade überqueren wollten, aufgehoben und auf die andere Seite gebracht hast. Ich wollte gerade antworten, als sich „Fritzi“ meldete und mich mit seiner feuchten Nase anstieß. Erschrocken musste mich erst sortieren. In der Realität angekommen, merkte ich, dass ich auf der Couch eingeschlafen war und geträumt hatte. Keine Schnecke hielt auf meiner Schulter eine Rede.
Dennoch fand ich, dass es ein schöner Traum war, zumal noch nie eine Schnecke, die eigentlich sprachlos ist, mit mir gesprochen hat, mich sogar kannte was mich besonders verblüffte. . .

Der Frühlings-Bluff 1

vom 28. März 2013

Zwei Tage blauer Himmel, weiße Wolken zieren ihn und leise Hoffnung keimt auf den nahen Frühling, den der Kalender längst angesagt hat. Oskar hat die Winterjacke und den Pullover in die äußerste Ecke des Schrankes verbannt und sich mit leichter Bekleidung zum Marsch durch den Wald aufgemacht. Mit dabei mein vierbeiniger Kumpel „Fritzi“ dem das laue Lüftchen auch Beine macht. Da war nichts mit Bummeln wie bei Regen und Schnee. Da ging die Post ab und ich alter Kerl musste mithalten.
Doch es gab auch den einen oder anderen Moment der Besinnung in dem „Fritzi“ da und dort an den Bäumen schnuppern musste.
Eigentlich ein idealer Übergang vom Winter zum Frühling. Doch wie schreibt Matthias Claudius in einem Gedicht: „Der Winter ist ein rechter Mann, kernfest und auf die Dauer . . .“, das in zahlreichen Strophen dem eiskalten Gesellen huldigt. Jetzt hat er zurück geschlagen, den jungen Knaben Frühling mit Schnee und Eis in die Knie gezwungen. Ich musste die Wintersachen wieder hervor holen, während „Fritzi“ die weiße (unwillkommene) Pracht einfach genießt und tiefe Schneisen in den hohen Schnee pflügt.
Wer unter Minusgraden und verschneiten Wäldern und Gärten leidet sind die Vögel, die kaum noch Futter finden. Oskar füttert schon seit Beginn der kalten Jahreszeit und jetzt reicht der Vorrat noch um die hoffentlich bald beendete „Eiszeit“ zu überstehen. Der alte Zwetschenbaum im Garten ist den ganzen Tag über mit den Gefiederten besetzt. Es sind Grünfinken, die ohne Scheu das Futterhäuschen besuchen und ihren Hunger ohne Stress stillen.
Jeden Morgen beim Frühstück freut sich besonders die Hausfrau beim Blick aus dem Fenster über die kleinen, zutraulichen Gesellen und spricht nur noch von ihrer „Piepshow“.
Sollte es wirklich Frühling werden und die Finken uns verlassen, werden wir sie sehr vermissen und uns auf ein Wiedersehen im nächsten Winter freuen. Ihr Häuschen wird dann wieder gefüllt sein, verspricht . . .

Der Frühlings-Bluff 2

vom 28. März 2013

Die Sonne scheint ein wenig bleich durch das Fenster und gaukelt Frühling vor. Inzwischen sind schon zehn Tage vergangen (siehe Bluff 1) und noch immer warten wir auf den jungen Knaben. Eine Frankfurter Tageszeitung titelt auf der ersten Seite „Der erfrorene Frühling“ und spricht mir damit aus der erkälteten Seele. Eigentlich reicht es dem normalen Mitteleuropäer, der angesichts permanenter Minusgraden noch immer in dicker Winterkluft und eingezogenem Nacken herumläuft und mehr oder weniger laut vor sich her brummt: „Jeden Tag dasselbe: Kalt, kalt und nochmals kalt.“ Im Prinzip hat er recht. Die Kälte ist keine deutsche Krankheit, sondern hält auch große Teile Europas in ihren Klauen.
Da ich mit Freund „Fritzi“ bei Wind und Wetter den Weg zum Wald suche, der nicht weit von der Wohnung liegt, können wir auch über ein paar besondere Erlebnisse berichten. Das wohl verblüffenste war das mit zwei Damhirschen, die wie zwei Hündchen zwei jungen Damen nach liefen. Auf meine erstaunte Frage bekam ich Antwort: „Wir kommen alle zwei Tage vorbei und bringen Äpfel und Brot mit, das wir den Hirschen auf ein bestimmtes Plätzchen legen. Nach einer kleinen Weile kommen sie aus dem Wald und machen sich über Obst und Brot her. Wenn sie fertig sind, laufen sie uns ein Stück hinter her und verschwinden dann wieder im Wald.“
Der Hunger muss schon groß sein, wenn das Wild seine Scheu aufgibt und den Menschen nach läuft.
Beim Weitergehen hörten wir einen Specht „lachen“ und sahen fünf oder sechs Bussarden beim Balzflug zu. Auf bestimmten Plätzen zeigen die Anemonen bereits erste Blüten und der Bärlauch sprießt als einer der ersten Frühlingsboten munter vor sich hin.
Wenn ich bis jetzt auch nicht das blaue Band des Frühlings flattern sah, glaube ich mit gebührender Skepsis, dass der junge Knabe bald die Macht des Winters bricht. Vielleicht hat er es schon geschafft, wenn Sie diese Zeilen lesen. . .

Es weihnachtet sehr

vom 09. Dezember 2012

Im nebelgrauen November habe ich alle Gedanken an Advent, an Weihnachten verdrängt. Selbst die festlichen Dekorationen in den Geschäften, die „Weihnachts“-Angebote ignoriert. Den von der lieben Gattin angebotenen Christstollen mit dem Argument „es ist doch noch nicht mal Advent“ abgelehnt.
Als in den letzten Novembertagen die DLB-Mitarbeiter den Kreisel an der Friedensallee/Hugenottenallee mit der obligatorischen Tanne (übrigens toll gewachsen) aufstellten und dann auch noch mit einer wunderbaren Lichtgirlande schmückten, gab ich meinen Widerstand auf: „Jetzt kann Weihnachten kommen“, dachte ich, zumal der Baum in der Dunkelheit einen ganz eigentümlichen Reiz entfaltet.
Als ich kürzlich über den Marktplatz ging, stand dort ein „Bruder“ unserer Kreiseltanne, in den Geschäftsstrassen der Stadt leuchteten die Weihnachtssterne und sorgten selbst bei mir Hartgesottenen für ein Stück Vorfreude auf das Fest. Jetzt lehnte ich den Stollen nicht mehr ab und auch die leckeren Lebkuchen wurden nicht verachtet.
Bei einem Glas Rotwein dachte ich am Abend an meine Jugendzeit, die in die Kriegsjahre fiel und von permanenter Armut an Lebensmitteln gekennzeichnet war. Heute gibt es alles im Überfluss. Sollten wir nicht einmal einen Augenblick verharren und dankbar sein, dass es uns gut geht und dabei an die Menschen in aller Welt denken, die in Angst, Armut und Todesangst leben müssen . . .

O, du schöner Wald

vom 09. Dezember 2012

Es gab eine Zeit, da war der Wald ein richtiger Wald. Da grünten die Bäume, das Farnkraut wuchs und Brombeeren und Himbeeren waren ebenso willkommen wie Heidelbeeren. Muttern kochte aus des Waldes Früchten herr-liche Gelees. Im Herbst waren die Pilzsucher unterwegs. Heute glaubt es kaum noch jemand: In den Wäldern rund um unsere Stadt fand man nicht nur Maronen, Ziegenlippe oder Parasolpilze, sondern auch Pfifferlinge, Steinpilze und auf den Wiesen in Richtung Neuhof sogar Champignons.
Die Zeiten haben sich geändert und damit auch das Bild des Waldes. Man spricht zwar von Naherholungsgebiet. Wer aber etwas abseits die Wege geht, ist nicht besonders erstaunt, wenn in einem Gebüsch ein verrostetes Fahrrad
abgelegt worden ist. Ein paar Meter weiter hat einer eine Ladung Kartonagen abgeladen und dazu einige blaue Säcke mit Farb- und Tapetenresten. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.
O, du schöner Wald . . .

PS.: Übrigens gibt es in unserer Stadt einen rührigen Dienstleistungsbetrieb in der Offenbacher Straße, der Sperrmüll, Grünschnitt usw. zu bestimmten Öffnungszeiten entgegennimmt. Nach zu lesen im Abfuhrkalender der Stadt Neu-Isenburg, den es im Bürgeramt oder im Rathaus, Hugenottenallee, gibt.

Hobitt

vom 09. Dezember 2012

Als ich dieser Tage die Zeitung überflog, an diesem und jenem hängen blieb, fiel mir eine Ankündigung des neuen in Neuseeland gedrehten Films „Der kleine Hobitt“ auf, die mich an vergangene Jahre erinnerte, als ich zweimal in der Woche nach Frankfurt fuhr, um das frühere „Neu-Isenburger Anzeigeblatt“ druckfertig zu machen. Gegen 17 Uhr war der Umbruch beendet und ich musste mich durch den Großstadtverkehr nach Hause „kämpfen“. Das Autoradio verkürzte mir die Stoppzeiten, denn just zu diesem Zeitpunkt ging die Geschichte vom „Kleinen Hobitt“ als Hörspiel über den Sender. Als ich von den Abenteuern des Hobitts Bilbo Beutlin erfuhr war ich so fasziniert, dass ich mir fest vor nahm das Buch von J. R. R. Tolkien zu kaufen. Nicht gleich, aber wenn ich dem unsteten Berufsleben Adieu sagen kann.
Die Zeit verging, ich ging in den Ruhestand – und erlebte die Geschichte des „Kleinen Hobitt“ auf über 300 Seiten mit. Inzwischen gab es die Fortsetzung mit dem Titel „Herr der Ringe“, die ich als Video einst von der Gattin zu Weihnachten bekam. Spannender als jeder Krimi hole ich ihn schon ab und zu einmal aus seiner Kassette und lasse die alten Erinnerungen aufleben.
Obwohl ich seit Jahrzehnten nicht mehr in einem Kino war, werde ich mir das filmische Rendezvous mit Bilbo Beutlin, der im Auenland lebte, nicht entgehen lassen.
Es gibt halt Bücher, die Eindruck über Jahre hinweg hinterlassen und so eines ist „Der kleine Hobitt“ . . .

Bunte Schtadt

vom 24. September 2012

Also unser Iseborsch iss schon e besonnere Schdat. Wenn ich morjens mit meim Hund durch die Gasse laaf’ freu’ ich mich immer widder iwwer die viele scheene Häuser, die in de letzte Johrn entschtanne sinn. Die Häuser sinn schon e poor Jährscher alt und worn meist grau un net mehr attraktiv. Do hot sich die GEWOBAU beschtimmt en Ruck gegewe un ogefange ihre Häuser innen un auße zeitgerecht zu saniern. Wass eraus gekomme iss kann sich sehe lasse un spricht fier de Farbsinn der GEWOBAU-Leut’. Es sinn neemlich kaa knallische Farbe, sondern ganz dezente Töne, die de Aache net weh tue. Kompliment fier die Macher un macht weiter so!
Kompliment awwer aach fier unser Stadtgärtner, die mit viele bunte Blume den Sommer in viele Schtrosse geholt hawwe. Nur aa Beischpiel von viele. In de Mozartstross schtehe Blumekiwwel, die net nur mich erfreue. Bepflanzt sinn se mit prachtvolle blaurote Petunie sowie eweso schene in hellem Rosa. Dess Ganze werd’ gekreent mit einer Blum’ die ich net kenne, die awwer aussieht, wie een klaane weiße Schneeball.
Also, was hawwe ich owwe gesacht: Mir sinn e besondere Schdat un do de zu steht Ihne Ihrn . . .

Für alle die mit unserem Dialekt Probleme haben, hier die „Übersetzung“:

Bunte Stadt

Also unser Neu-Isenburg ist schon eine besondere Stadt. Wenn ich morgens mit meinem Hund durch die Gassen laufe, freue ich mich immer wieder über die vielen schönen Häuser, die in den letzten Jahren entstanden sind. Die Häuser sind schon ein paar Jährchen alt und waren meist grau und nicht gerade attraktiv. Da hat sich die GEWOBAU bestimmt einen Ruck gegeben und angefangen ihre Häuser innen und außen zeitgerecht zu sanieren. Was heraus gekommen ist, kann sich sehen lassen und spricht für den Farbsinn der GEWOBAU-Leut’. Es sind nämlich keine knallige Farben, sondern dezente Töne, die den Augen nicht wehtun. Kompliment für die Macher und macht weiter so!
Kompliment aber auch für unsere Stadtgärtner, die mit vielen bunten Blumen den Sommer in viele Strassen geholt haben. Nur ein Beispiel von vielen. In der Mozartstrasse stehen Blumenkübel, die nicht nur mich erfreuen. Bepflanzt sind sie mit prachtvollen blauroten Petunien sowie ebenso schönen in hellem Rosa. Das Ganze wird gekrönt mit einer Blume, die ich nicht kenne, die aber aussieht wie ein kleiner Schneeball.
Also was habe ich oben gesagt: Wir sind eine besondere Stadt und da zu steht Ihne Ihrn . . .

Handkäs mit Musik

vom 24. September 2012

Er ist geborener Isenburger. Verbrachte seine Kindheit und Jugend in der Hugenottenstadt. Machte an der Goetheschule Abitur. Dann aber verschlug ihn der Beruf für einige Jahre nach Hannover und schließlich zog es ihn wieder in die Heimat zurück. Doch er war ein unruhiger Geist und schon nach einigen Jahren wurde er in Stuttgart heimisch. Bei den Schwaben fühlt er sich jetzt zu Hause. Doch ab und zu zieht es ihn nach Neu-Isenburg zurück.

So kreuzte er vor einigen Wochen zur Freude seiner Eltern für einige Tage in der Heimat auf. Es war schön für sie den Sohn, mittlerweile ein gestandener Mann, Journalist und Buchautor, in ihrer Mitte zu wissen.

Als er hörte, dass in Frankfurt das Opernplatz-Fest gefeiert wird, machte er einen abendlichen Abstecher in die Nachbarstadt und traf sich mit einer Freundin aus alten Tagen. Diese wiederum erschien am Treffpunkt mit einer ihrer Freundinnen. Das Trio amüsierte sich und ab und zu gab man sich auch dem Tanzvergnügen hin.

Dies wiederum war für den Ex-Isenburger nicht gerade vergnüglich. Als er zu später Stunde bei den Eltern eintraf, polterte er: „Die jungen Frauen von heute haben aber auch keine Manieren mehr. Da tanze ich mit der Freundin von der Freundin und diese wiederum hat kurz vor her Handkäs mit Musik gegessen. (Eine Mixtur, die wahrscheinlich nur Käseliebhaber dieser mit viel Zwiebeln und einem Dressing aus Essig und Öl übergossenen hessischen Käsespezialität unbeschadet überstehen.) Natürlich habe ich nichts gesagt und fleißig weiter getanzt, doch ich war glücklich als die Tanzserie zu Ende war.“
Sein Nachsatz: „Also ich habe schon immer einen Bogen um den Handkäs gemacht und werde ihn jetzt noch weiter ziehen.“
Moral von der Geschicht: „Gehst Du zum Tanzen, iss vorher keine Zwiebel nicht ! ! !“ Das meint auch. . .

Fini

vom 24. September 2012

Seit einem guten Jahr haben wir neue, jetzt schon alte Nachbarn. Diese wiederum brachten eine schwarze Katzendame mit, die nach kurzer Eingewöhnungszeit als Freigängerin die Nachbarschaft erkundet hatte. Dabei kreuzte sie ab und zu auch bei uns im Hof und Garten auf, hatte aber nicht mit Pudel Fritzi gerechnet, der mit Gebell und tiefem Knurren sein Hausrecht gegen den kessen Eindringling verteidigte. Fini gab Fersengeld und zog sich in ihr Revier zurück. Hier setzte sie sich gemütlich auf die Treppe und ließ Fritzi sich austoben. Die Zeit verging und jetzt haben die beiden Vierbeiner kein Problem mehr miteinander. Jeder akzeptiert die Reviergrenze und es herrscht Friede zwischen den tierischen Nachbarn.

Kürzlich fragten die Katzenliebhaber, ob wir nicht für ein paar Tage Fini versorgen könnten, da die gesamte Familie in Urlaub sei und ob es mit Fritzi Probleme geben würde?

Wir meinten, dass es ein Versuch wert sei, da die „Schwarze“ ja in ihrem Revier bleibe. Wir wurden in die Fütterungszeiten von Fini eingeweiht und beruhigten die Kurzurlauber, dass es schon klappen würde. Um es vorweg zu nehmen: Es klappte reibungslos. Fini bekam ihr Morgenfrühstück serviert, ihren Trinknapf gefüllt und stand plötzlich mit einem leisen Miau hinter mir. Sie strich mir um die Beine und streckte sich als ich ihr den Kopf kraulte. Dann machte sie sich über ihr Futter her. Doch als ich gehen wollte, unterbrach sie ihre Mahlzeit und lief mir nach. Für mich die Aufforderung bleib’ noch ein wenig bei mir. Also setzte ich mich neben sie auf die Bank und leistete ihr Gesellschaft. Als sie den Napf leer gefuttert hatte, musste ich sie erneut streicheln und mit ihr reden. Dann machte sie den berühmten Katzenbuckel und verzog sich auf ihren Schlafplatz im Haus.

Schnell vergingen uns die Tage mit Fini, die zutraulich war und keineswegs fremdelte. Eigentlich habe ich immer geglaubt, dass Katzen individuelle Wesen und unabhängiger als Hunde von ihren Menschen sind. Fini bewies mir das Gegenteil, sie suchte wann immer sie Laune hatte den Menschen und selbst wenn es nur Ersatz war.
Jetzt hat sie ihre Familie wieder und ich freue mich, wenn sie ab und zu durch den Garten streift und wenn Fritzi nicht in der Nähe ist mit einem Miau ihre Streicheleinheit abholt. . .

Die Linden blühen

vom 01. Juli 2012

In einer der letzten Nächte, so um die Geisterstunde, mahnte mich mein vierbeiniger Freund „Fritzi“ mit einem „WuffWuff“ zum kleinen Mitternachtstrip. Der Nachbericht zu den Fußball-Europameisterschaften lief gerade und nur schwer konnte ich mich losreißen. Doch „Fritzi“ kannte keinen Pardon, lief zur Flurgarderobe und blieb bellend vor seiner Leine stehen.
Also auf geht’s. „Fritzi“ hatte gewonnen und marschierte ohne zu zögern in die Taunussstraße. Außer uns zwei war niemand unterwegs. Nach ein paar Schritten schnupperte ich und nicht mein Gefährte in die Nachtluft. Es lag ein süßer Duft in der Luft, der sich immer mehr verdichtete. Zunächst skeptisch, dann aber sicher wusste ich: Die Linden in der sonst so nüchternen Straße blühen und mit ihnen blühte auch mein Romantikerherz auf.
Das alte Volkslied vom Lindenbaum, der am Brunnen vor dem Tore steht, fiel mir ein und ich summte leise die Melodie vor mich hin. Dann dachte ich an den Lindenblütentee, den ich in den Kriegsjahren immer trinken musste, wenn sich eine Erkältung näherte. „Der hilft“, sagte meine Mutter immer und kannte keinen Pardon. Der Tee musste getrunken werden, obwohl er ohne Zucker war, was ihn nicht schmackhafter machte.
Ich trank ihn und habe ihn bis heute überlebt und immer wenn ich in den nächsten Tagen oder Nächten durch die Taunusstraße gehe, denke ich an meine Jugendzeit zurück. Ob mit oder ohne Lindenblütentee – sie war schön!

Sucherei

vom 01. Juli 2012

In den letzten Tagen hat die auf Ordnung bedachte Hausfrau mal wieder angemahnt: „Du könntest doch endlich einmal dein ,Büro’ aufräumen. Das sieht aus wie bei Hempels unter dem Sofa!“
Schuldbewusst gab ich keine Antwort, sonst hätte ich versprechen müssen, dass ich in den nächsten Tagen einige unproduktive Stunden im kleinsten Raum der Wohnung zubringen würde. Dabei hatte ich noch einige Dinge zu erledigen. Zum Beispiel diese Kolumne zu schreiben, die ich in den letzten Wochen sträflich vernachlässigt habe. Es kam halt vieles was man nicht braucht zusammen und ich merkte mit Entsetzen, dass mir die Zeit immer schneller entflieht. Inzwischen habe ich einigermaßen gelernt, sie besser einzuteilen und nicht drei Dinge auf einmal tun zu wollen.
Jetzt gibt es noch immer dies und das zu erledigen. Doch inzwischen schalte ich das Oberstübchen ein und versuche verschiedene Dinge, die ich auf einem Weg erledigen kann zu koordinieren. Und siehe da: Es klappt bis jetzt zu mindestens fünfzig Prozent und das ist schon etwas. Dabei huldige ich dem Grundsatz „Eile mit Weile“, aber auch dem „Es gibt viel zu tun, lassen wir’s liegen“.

Das „Büro“ sah inzwischen schon etwas aufgeräumter aus, doch schon hat sich wieder einiges angesammelt. Ich verspreche, dass ich es in den nächsten Tagen (Wochen) wieder in Ordnung bringen werde und auch den „Oskar“ wieder mit Leben zu erfüllen . . .

Parlamentarier-Käfig?

vom 01. Juli 2012

Unser neues Rathaus ist ein Schmuckstück in der Hugenottenallee geworden. Inzwischen sind die Außenanlagen fertig und es grünt und blüht, um die Vorderfront des Gebäudes. Hier muss die Arbeit für den Bürger in licht-durchfluteten Räumen einfach Spaß machen. Was mir schon bei der Fertigstellung des Rathauses auffiel, war ein großer „Käfig“ um eine Außentreppe am Stadtverordneten-Sitzungssaal. Ich überlegte kurz und kam zu dem Schluss, dass es nur die Notfalltreppe sein kann, die gesetzlich vorgeschrieben ist.
Doch nur als Notfalltreppe nutzbar? Die kleinen grauen Zellen begannen zu arbeiten. Da Notfälle eigentlich selten sind, könnte sie der Herr Stadt-verordnetenvorsteher vielfältig einsetzen. Zum Beispiel den sie umgebenden Käfig für den Pleitegeier, sollte er jemals über unsere „besondere Stadt“ fliegen. Aber auch um allzu diskutierfreudige Abgeordnete zum Luft holen hinein zu schicken. Vielleicht würde das helfen, ellenlange, ermüdende Diskussionen auf das Wichtigste zu reduzieren. Man sollte natürlich ein Schild mit der Aufschrift „Vorsicht! Bissige Parlamentarier. Bitte nicht füttern!“ anbringen, das vorübergehende Passanten warnt.
Doch es wird nicht soweit kommen der Stadtverordnetenvorsteher wird sein „Rudel“ mit der Kraft des Wortes in Zaum halten und meine Phantastereien schlichtweg ignorieren.
Vielleicht kann er auch darüber schmunzeln, freut sich . . .