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Liebeserklärung an eine alte Rose
vom 28. Juni 2013

Man schrieb 1945. Der 2. Weltkrieg war gerade mit verheerenden Folgen für das deutsche Volk zu Ende gegangen, als ich sie kennen lernte.
Sie war schmächtig und hatte zwei, drei kleine Blüten, die in einem zarten Rosa strahlten. Schnell schloss ich Freundschaft mit ihr, die nur wenig beachtet im kleinen Vorgärtchen der früheren Buchdruckerei August Koch ihr Dasein fristete. Sie bekam im Sommer regelmäßig ihr Wasser und später, als sie munter wuchs, schnitt ich ihr auch ab und zu einige überzählige Zweige ab.
Damals wurde ich als Schriftsetzer ausgebildet. Ein Beruf, den es heute nicht mehr gibt und von den Mediengestaltern abgelöst wurde.
Die Jahre vergingen, die Rose entwickelte sich zu einem wunderschönen Busch und erfreute viele Besucher der Druckerei. Doch irgendwann in den siebziger Jahren - wir Koch-Leute waren inzwischen bei der Frankfurter Neuen Presse gelandet – wurde die Druckerei aufgegeben und nur die Redaktion bei der ich inzwischen eingestiegen war, etablierte sich in Räumen in der Frankfurter Straße/Ecke Kronengasse.
Als ich erfuhr, dass die Betriebsgebäude abgerissen werden sollten, flitzte ich hin und konnte die Rose gerade noch vor der Baggerschaufel retten. Sie fand in der Hugenottenallee im Vorgarten eine neue Heimat. Doch das Pech klebte an ihr. Der Hausmeister erwischte sie beim Rasenmähen mit der Maschine kurz über dem Wurzelstock und schnitt ihn fast zur Hälfte ein. Als ich am Abend das Malheur entdeckte, besorgte ich, so quasi in letzter Minute, Baumwachs und Hanf. Ein „Verband“ wurde angelegt und das Wunder geschah, die „Wunde“ schloss sich im Laufe der Wochen und Monate und die Rose dankte es mit üppigem Blütenflor. Lange Jahre vergingen, die Rose wurde älter und noch einmal musste sie umziehen. Von der Straße hinweg in den hinteren Grünbereich. Inzwischen war ihr Wurzelstock dick und verknorpelt und das Umziehen bekam ihr nicht besonders. Sie schwächelte vor sich hin und nach den letzten kalten und langen Wintermonaten sah es aus, als wolle sie aufgeben. Doch nein, sie kämpfte, verkraftete dürres Holz und in diesem Jahr – oh, Wunder – trieb sie einige starke Zweige aus die in voller Pracht erblühten.
Ich war stolz und glücklich zu gleich: Das alte Mädchen dürfte etwa Sechzig Jahre, eher älter, sein.

Jetzt können Sie vielleicht meine Liebeserklärung an meine alte/junge Rose und ihren Lebenswillen verstehen, hofft . . .