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06.05.17
Wetterau
 

Frühlings-Bluff 2
vom 28. März 2013

Die Sonne scheint ein wenig bleich durch das Fenster und gaukelt Frühling vor. Inzwischen sind schon zehn Tage vergangen (siehe Bluff 1) und noch immer warten wir auf den jungen Knaben. Eine Frankfurter Tageszeitung titelt auf der ersten Seite „Der erfrorene Frühling“ und spricht mir damit aus der erkälteten Seele. Eigentlich reicht es dem normalen Mitteleuropäer, der angesichts permanenter Minusgraden noch immer in dicker Winterkluft und eingezogenem Nacken herumläuft und mehr oder weniger laut vor sich her brummt: „Jeden Tag dasselbe: Kalt, kalt und nochmals kalt.“ Im Prinzip hat er recht. Die Kälte ist keine deutsche Krankheit, sondern hält auch große Teile Europas in ihren Klauen.
Da ich mit Freund „Fritzi“ bei Wind und Wetter den Weg zum Wald suche, der nicht weit von der Wohnung liegt, können wir auch über ein paar besondere Erlebnisse berichten. Das wohl verblüffenste war das mit zwei Damhirschen, die wie zwei Hündchen zwei jungen Damen nach liefen. Auf meine erstaunte Frage bekam ich Antwort: „Wir kommen alle zwei Tage vorbei und bringen Äpfel und Brot mit, das wir den Hirschen auf ein bestimmtes Plätzchen legen. Nach einer kleinen Weile kommen sie aus dem Wald und machen sich über Obst und Brot her. Wenn sie fertig sind, laufen sie uns ein Stück hinter her und verschwinden dann wieder im Wald.“
Der Hunger muss schon groß sein, wenn das Wild seine Scheu aufgibt und den Menschen nach läuft.
Beim Weitergehen hörten wir einen Specht „lachen“ und sahen fünf oder sechs Bussarden beim Balzflug zu. Auf bestimmten Plätzen zeigen die Anemonen bereits erste Blüten und der Bärlauch sprießt als einer der ersten Frühlingsboten munter vor sich hin.

Wenn ich bis jetzt auch nicht das blaue Band des Frühlings flattern sah, glaube ich mit gebührender Skepsis, dass der junge Knabe bald die Macht des Winters bricht. Vielleicht hat er es schon geschafft, wenn Sie diese Zeilen lesen. . .