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GHK Sternwarte
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06.05.17
Wetterau
 

Die Linden blühen
vom 01. Juli 2012

In einer der letzten Nächte, so um die Geisterstunde, mahnte mich mein vierbeiniger Freund „Fritzi“ mit einem „WuffWuff“ zum kleinen Mitternachtstrip. Der Nachbericht zu den Fußball-Europameisterschaften lief gerade und nur schwer konnte ich mich losreißen. Doch „Fritzi“ kannte keinen Pardon, lief zur Flurgarderobe und blieb bellend vor seiner Leine stehen.
Also auf geht’s. „Fritzi“ hatte gewonnen und marschierte ohne zu zögern in die Taunussstraße. Außer uns zwei war niemand unterwegs. Nach ein paar Schritten schnupperte ich und nicht mein Gefährte in die Nachtluft. Es lag ein süßer Duft in der Luft, der sich immer mehr verdichtete. Zunächst skeptisch, dann aber sicher wusste ich: Die Linden in der sonst so nüchternen Straße blühen und mit ihnen blühte auch mein Romantikerherz auf.
Das alte  Volkslied vom Lindenbaum, der am Brunnen vor dem Tore steht, fiel mir ein und ich summte leise die Melodie vor mich hin. Dann dachte ich an den Lindenblütentee, den ich in den Kriegsjahren immer trinken musste, wenn sich eine Erkältung näherte. „Der hilft“, sagte meine Mutter immer und kannte keinen Pardon. Der Tee musste getrunken werden, obwohl er ohne Zucker war, was ihn nicht schmackhafter machte.

Ich trank ihn und habe ihn bis heute überlebt und immer wenn ich in den nächsten Tagen oder Nächten durch die Taunusstraße gehe, denke ich an meine Jugendzeit zurück. Ob mit oder ohne Lindenblütentee – sie war schön!