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Kulturpreis 2007

Würdigung der Kulturpreisträger 2007 des Kreises Offenbach am 27. September 2007 um 19.30 Uhr im Kreishaus durch Landrat Peter Walter

"Der Kulturpreis des Kreises Offenbach wird seit 1978 verliehen.

Bereits 1979 wurden mit dem Heimat- und Geschichtsverein Dreieichenhain und Herrn Dr. Josef Schopp aus Seligenstadt ein Verein und eine Person mit dem Kulturpreis ausgezeichnet, die sich im Bereich Heimat- und Geschichtspflege engagiert und erfolgreich betätigt haben.

Im Kreis Offenbach hat der Bereich Heimat- und Geschichtspflege einen hohen Stellenwert.
So war es nicht überraschend, dass 1988 mit Richard Krug, Heinrich Runkel und Marcellin Spahn sowie 1997 mit dem Arbeitskreis Schule und Museum Dietzenbach sowie der Arbeitsgruppe Leder im Heimat- und Geschichtsverein Obertshausen ebenfalls dieser Bereich mit dem Kulturpreis ausgezeichnet wurden.

Der Kreis Offenbach feiert in diesem Jahr sein 175-jähriges Bestehen.
So lag es nahe, den Kulturpreis 2007 im Bereich Heimatkunde/Heimatpflege auszuschreiben.
In der Ausschreibung wurde unter anderem gefordert, dass der/die Preisträger sich insbesondere der Aufarbeitung der örtlichen und regionalen Geschichte und der Pflege der Tradition widmen sowie Angebote für jüngere Bürgerinnen und Bürger machen.
Die Präsentation der Aktivitäten des Vereins/der Initiativen in der Öffentlichkeit muss ein wichtiger Bestandteil der Vereinsarbeit darstellen.

Dass beide Preisträger die geforderten Kriterien erfüllen, dürfte aus den nachfolgenden Ausführungen eindeutig erkennbar sein.

Geschichtsverein Mühlheim am Main
Der Geschichtsverein Mühlheim am Main hat seine Bewerbung wie folgt begonnen:
„Wer seine Heimat liebt, der muss sie auch verstehen wollen; wer sie verstehen will, muss überall in ihre Geschichte zu dringen versuchen“ von Jakob Grimm.
Nach diesem Motto arbeitet der Verein seit 35 Jahren.
1972 als Geschichtsabteilung des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Mühlheim gegründet, wurde 1994 ein eigenständiger Verein gebildet.
In § 2 der Satzung, sind Zweck und Aufgaben des Vereins von Anfang an verbindlich aufgelistet:
a) Erforschung der Geschichte der Stadt und deren Umgebung,
b) Verbreitung historischen Schrifttums,
c) Bereitstellung von Informationsmaterial in Form von Büchern, Bildern, Filmen
und Vorträgen und ähnliches für Schulen, Organisationen und Bürger,
d) Pflege des Heimatgedankens auch durch Wanderungen, Fahrten, Veranstaltun-
gen und esichtigungen historischer Stätten,
e) Förderung von stadthistorischen Sammlungen und archivarischer Arbeiten und
f) Mitarbeit an der Denkmalpflege.

Lassen Sie mich einige Schwerpunkte des Vereins aufzeigen.

Herausgabe heimatkundlicher Publikationen
Mit der Aufarbeitung der Geschichte der Stadt Mühlheim einschließlich der Stadtteile Dietesheim und Lämmerspiel hat sich der Verein bereits von Beginn seiner Arbeit an in vorbildlicher Weise gewidmet.
Es wurden bis heute insgesamt 22 Publikationen herausgegeben, die allen wissenschaftlichen Anforderungen gerecht werden.

Die Schulpolitik ist gerade heute immer wieder Mittelpunkt auch in den politischen Diskussionen. Insoweit ist es interessant, auf das im November 1984 herausgegebene Buch „Von Pfarrherren und Schulmeistern“ kurz einzugehen.

Lassen Sie mich aus dieser Publikation kurz zitieren.
„Im Jahr 1825 betrug die Schülerzahl in einer einzigen Klasse 228, ein Teil der Kinder musste aus Platzmangel stehen.
Das Jahresgehalt des Lehrers betrug bei Einrechnung aller Naturalien 240 Gulden. Für die Gemeinde war dies viel Geld, für den Lehrer nach wie vor ein Hungerlohn. Daraus mussten sich Konflikte ergeben.
Der Gemeindevorstand beklagt sich beim Schulrat, dass der Unterricht des Lehrers unmöglich so fortbestehen kann, wenn die Jugend nicht ganz verwildern solle.

Der Lehrer sei zu faul und gehe nicht zu gehöriger Zeit in die Schule und auch nicht heraus.
Nachdem sich sogar der Landrat mit der Sache befassen musste, wurde dem unglücklichen Zustand durch die Versetzung des Lehrers ein Ende gemacht“.
Zuletzt wurde das in diesem Jahr herausgegebene Familienbuch „Lämmerspiel Hausen“ der Öffentlichkeit vorgestellt.

Ausstellungen
Im Stadtmuseum Mühlheim wurden zwischenzeitlich über 20 Ausstellungen gezeigt, die von themenspezifischen Museumsheften begleitet werden.
Lassen Sie mich beispielhaft nur die Ausstellung „Babbscher und Bordefeller“ erwähnen, die dazu führte, dass für diesen für die Region einst bedeutenden Handwerkszweig quasi ein Museumsraum bei der Firma Traveller in Lämmerspiel eingerichtet wurde.

Veranstaltungen
Hier sind insbesondere zu erwähnen, dass seit Jahren am „Deutschen Mühlentag“ veranstaltete Mühlenfest aber auch die Teilnahme des Vereins an den so genannten „Tagen der Industriekultur“, die ein Schwerpunkt der Kulturregion Frankfurt RheinMain sind.
Natürlich nimmt der Verein auch an dem jährlich vom Kreis Offenbach organisierten „Internationalen Museumstag“ teil.
Alle Aktivitäten werden immer von einer beispielhaften Presse- und Öffentlichkeitsarbeit begleitet.
Hierzu gehört auch ein vorbildlicher Internetauftritt.
Wenn dem Verein heute fast 300 Mitglieder angehören, so unterstreicht dies den Stellenwert den der Geschichtsverein Mühlheim am Main in der Bevölkerung einnimmt.
Auch von der Stadt Mühlheim wurde die Arbeit des Vereins im Jahr 2000 mit dem Kulturpreis gewürdigt.
Der Ehrenvorsitzende, Richard Krug, wurde für seine langjährige Geschichtsarbeit mit dem Anton-Dey-Preis ausgezeichnet.

Nicht minder beeindruckend ist die Vita des zweiten Preisträgers.

Verein für Geschichte, Heimatkunde und Kultur Neu-Isenburg
Der Verein wurde 1985 gegründet.
Gründungsinitiator war der damalige Bürgermeister Robert Maier, der sich seiner Heimatstadt Neu-Isenburg in besonderer Weise verpflichtet und verbunden fühlte.
In seinem der Stadt Neu-Isenburg überlassenen Wohnhaus hat heute der Verein für Geschichte, Heimatpflege und Kultur seinen Sitz.

Wenn es nach dem 2. Weltkrieg mit Karl Vay und Karl Passett einzelne Bürger
waren, die sich engagiert der Aufarbeitung der Neu-Isenburger Geschichte widmeten, so sind es heute über 350 Mitglieder, die sich im Verein für Geschichte, Heimatpflege und Kultur zusammen gefunden haben.
Auch hier lassen Sie mich kurz einige Tätigkeitsbereiche des Vereins aufzeigen.

Herausgabe von Publikationen
Hier stehen natürlich stadtgeschichtliche Themen im Vordergrund.
Die erste 1986 vom Verein herausgegebene Publikation beinhaltete „Historische Bauwerke in Neu-Isenburg“.
Weitere 14 Bücher sind zwischenzeitlich erschienen, so unter anderem „500 Jahre jüdisches Leben in der Dreieich-Region“, „Eine Nacht des Schreckens – Zeitzeugen berichten vom 20.12.1943“ aber auch dem Stadtteil Gravenbruch wurde die Publikation „Wir Gravenbrucher – 40 Jahre Wohnstadt Gravenbruch“ gewidmet.

Einen breiten Raum in der Angebotspalette des Vereins nehmen die Gespräche mit Zeitzeugen ein. Sie sind das Spiegelbild einer lebhaften Stadt mit ebenso lebhaften Menschen, die sich gerne an die Vergangenheit erinnern, dabei Gegenwart und Zukunft nicht vergessen. Es sind spezifisch „Iseborjer Themen“ die behandelt wurden und werden.
Hier eine Auswahl: „Als die Amerikaner einmarschierten“, Zeitzeugengespräche, die in dem Historischen Lesebuch „Ende und Anfang – Neu-Isenburg 1943 – 1945“ festgehalten sind.

Unter anderen erzählt der Allgemeinmediziner Dr. Hayn über seine Tätigkeit im Widerstand gegen das Naziregime, aber auch über die ärztliche Versorgung der Bevölkerung.
Sein Zahnarztkollege Dr. Boelsen berichtet über seine Erfahrungen als von den Amerikanern eingesetzter erster Bürgermeister nach der Besetzung. Dazu noch viele Geschichten aus einer unseligen Zeit, die von Trauer und Leid, aber vom ungebrochenen Lebenswillen der Neu-Isenburger zeugen. Das von den Amerikanern besetzte Waldschwimmbad und die Geschichte der schwimmsporttreibenden Vereine war ebenfalls Mittelpunkt eines Zeitzeugengesprächs.

Studienreisen und Stadtführungen
Den Mitgliedern des Vereins wird ein umfangreiches Angebot an Studienreisen in die verschiedensten Regionen der Bundesrepublik unterbreitet.
Schwerpunkt sind hierbei Städte und Gemeinden hugenottischen Ursprungs.
Regelmäßige Stadtführungen, die sich mit der Geschichte, der Architektur, des Alten Friedhofs und dem Gedenken an Opfer und Verfolgte des Naziregimes befassen, werden angeboten.

Der Verein konzentriert sich aber nicht nur auf die Aufarbeitung der Neu-Isenburger Geschichte.
In Zusammenarbeit mit der städtischen Bibliothek werden Lesungen organisiert, Dia- und Filmvorträge zu den verschiedensten Themen durchgeführt, der Besuch von Ausstellungen aber auch die Teilnahme am Musikspektakel „Open Doors“ sowie jazzige Angebote im Robert-Maier-Haus sprechen viele Bürgerinnen und Bürger an.

Der GHK versucht, das Geschichtsbewusstsein der Kinder und Jugendlichen zu wecken. Die kindergerechte Vermittlung geschichtlichen Wissens hat der Verein mit dem Buch „Treueeid und Wüstenprinz“ geleistet.
Spannende Geschichten statt langweilige Fakten zeichnen das Buch aus.
Inzwischen gibt es bereits die Geschichte „Isabells Traum“ über den Neu-Isenburger Ehrenbürger und Astronauten, Thomas Reiter, die sich aktuell an das Kinderbuch anschließt.
Ausmalbögen für Kinder mit Motiven aus „Treueeid und Wüstenprinz“ vervollständigen das GHK-Angebot für den Nachwuchs.

Vorstandsmitglieder gehen in die Schulen und berichten ohne erhobenen Zeigefinger über das meist karge Leben, das die Gründer meisterten, über die 1896 erfolgte Stadtgründung, über das Elend und die Not zweier verlorener Weltkriege und die Zeit des Wiederaufbaues.

Dem Verein für Geschichte, Heimatkunde und Kultur Neu-Isenburg gelingt der Brückenschlag zwischen den Ansprüchen wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Hugenottengeschichte und anderen Themen die mit Neu-Isenburg zu tun haben.
So aufzuarbeiten, dass der wissenschaftliche Anspruch gewahrt ist, die Inhalte aber von einem breiten Publikum erschlossen werden können.

Die Städte Mühlheim und Neu-Isenburg können auf die Arbeit ihrer Vereine stolz sein.

Dies gilt natürlich auch für den Kreis Offenbach, der mit regelmäßig stattfindenden Arbeitstagungen, der Unterstützung bei der Herausgabe heimatkundlicher Publikationen sowie eines Museumspädagogischen Führers versucht, die Arbeit seiner Heimat- und Geschichtsvereine so wirkungsvoll wie möglich zu unterstützen.

Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass die Jury es bei ihrer Entscheidung über den Kulturpreis 2007 nicht leicht hatte.
Es lagen nämlich noch weitere durchaus gewichtige Vorschläge/Bewerbungen vor.

Es gilt das gesprochene Wort."

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Lesen Sie hierzu auch die Rede des GHK-Vorstandsvorsitzenden.